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VRR und kontaktlose Smartcards

(balle)

Bei den neuen Fahrkarten des VRRs, die Anfang letzten Jahres eingeführt worden sind, handelt es sich um sogenannte kontaktlose Smartkarten, d.h. das Ticket kann selbständig Rechenoperationen durchführen und funkt. Deshalb hatte und habe ich es vorsichtshalber in Alufolie eingepackt, man kann auch an der rechten Seite ein Stück abbrechen, um die Induktionsschleife zu demolieren. Wer selbst nachprüfen möchte, ob er solch eine Karte hat, der sollte sie einfach mal gegen eine Lichtquelle halten und wird die Induktionsschleife sehen können.

Auf meine Anfrage warum der VRR kontaktlose Smartkarten als Tickets einsetzt bekam ich folgende schriftliche Antwort:

> [...] Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen plant ein kompatibles Chipkartensystem innerhalb Deutschlands für das EFM (elektronischeFahrgast-Management). Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr hat bei der Einführung der neuen Technik bereits vorgegriffen und aus diesem Grund die Dual-Interface-Karte gewählt. Diese Version kann sowohl kontaktlos als auch kontaktbehaftet gelesen werden. Wir hoffen Ihnen mit unserer Information weitergeholfen zu haben. [...]

Naja ich wollte eigentlich wissen warum die Karte eigene Rechenoperationen ausführen kann und auch noch Daten durch die Luft schmeisst und ob und wo sie denn nach Daten gefragt wird. Mein Verdacht war, dass der VRR das selbe System einführen möchte wie es die BVG getestet hat, nämlich Fahrgäste beim ein- und aussteigen kontaktlos zu erfassen und ihre Fahrten in einer zentralen Datenbank zu speichern. Also hab ich mir mal den Telefonhörer geschnappt und meine Ansprechpartnerin angerufen. Von ihr habe ich folgendes erfahren:

Die Fahrkarten können eigenständig Rechenoperationen durchführen, weil ursprünglich geplant war sie für begrenzte Zwecke auch als Paybackkarte z.B. für Rabattsysteme einzusetzen.

Auf meine Frage ob geplant sei Fahrgäste mit Sendern im Eingangsbereich der Busse zu erfassen, sagte sie, dass dies nicht geplant sei, da die Technik noch nicht ausgereift sei. Man hätte noch Probleme mit Fahrgästen, die nur kurz in den Bus einsteigen und ihn sofort wieder verlassen, um beispielsweise einer Mutter den Kinderwagen hinein zu heben und vorbeilaufende Passanten würden ebenfalls noch von diesem Sender erfasst. Insofern sei in naher Zukunft nicht geplant solch ein System einzuführen und sie bestätigte auch, dass es nicht mit dem Datenschutzgesetz zuvereinbaren sei Fahrgastdaten für einen längeren Zeitpunkt als die aktuelle Fahrt zu speichern.

Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob es mit dem Datenschutzgesetz vereinbar ist die Daten für die aktuelle Fahrt zu erfassen, aber ich bin auch kein Jurist. Wie auch immer ich hätte auf jeden Fall was dagegen, dass "man" weiss in welchem Bus ich gerade sitze.

Noch eine kleine Zusatzinformation zum Schluss: Wer im Besitz eines nicht personen-bezogenen Tickets ist, sollte nicht denken, dass man von seinem Ticket nicht auf die Person schliessen kann! Der Schaffner kann dies nicht, das Verkehrsunternehmen aber wohl, denn auf der Karte befindet sich eine ID, die mit einem Konto in einer Datenbank verknüpft ist.

Mehr Informationen zu den Tickets gibt es bei comcard.